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Aus der Serie: Was macht eigentlich...?

Geschrieben von Hubert Röderer
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Portrait: Bruno Lehmann und Achim Stoll - zwei Freunde sollt ihr sein...
Von Hubert Röderer (06.04.2021) / Quelle: Tischtennis Baden-Württemberg / Alle Bilder aus der Mottenkiste
Die DJK Offenburg war über Jahre hinweg der strahlende Stern des früheren Südbadischen Tischtennisverbandes. Krönung war zur Millenniumswende die vorübergehende Zugehörigkeit zur 1. Tischtennis-Bundesliga. Dort wurden die DJK-Farben fast ausschließlich von ausländischen Sportlern vertreten. Das war zu Zeiten von Achim Stoll und Bruno Lehmann, wenn auch eine Klasse darunter, noch eine ganz andere Konstellation. "Es war sicherlich ein ganz besonderer Erfolg", schwärmt Lehmann, "dass wir uns zehn Jahre lang ohne ausländischen Spitzenspieler in der 2. Bundesliga etablieren konnten."

Die Vereinsverantwortlichen und der damalige Verbandstrainer Rudolf Melegi, in Offenburg tätig, vermochten ab 1982 konstant eine Mannschaft zu formen, die maßgeblich aus den größten Talenten des Stammvereins und der Ortenau gebildet wurde, jungen Spielern von Vereinen aus der weiteren Umgebung oder solchen, die es zum Studium an der damaligen Fachhochschule, heute Hochschule, nach Offenburg geführt hatte. Die Vereinsfarben trugen neben dem späteren Erfolgsdoppel unter anderem auch Klaus Homm, Andreas Decker, Georg Winkler, Michael Schweikert, Georg Theiß, Christoph Lamis und Ralf Neumaier. Offenburg war zu jener Zeit, ab Mitte der 80er-Jahre, für lange Zeit Südbadens Platzhirsch und Sammelbecken für junge, aufstrebende Akteure aus der Region. Im Gegensatz zu den Damen, seit Jahren mit Dauer-Abo in der 2. Bundesliga, waren es damals eben die Herren, welche die DJK  Offenburg in die Sport-Spalten  der Tageszeitungen brachten. Wichtige Garanten des Erfolgs: die altersmäßige Homogenität und das freundschaftliche Miteinander. Wie ganz besonders  bei Bruno Lehmann und Achim Stoll.

Ersterer war durch seinen älteren Bruder Günter und Cousin Gerhard Stunder beim damals noch jungen Verein TTF Niederschopfheim, 1973 gegründet, zum Tischtennis gekommen. Jugendtrainer Kurt Reinschmiedt erkannte rasch das gute Händchen des achtjährigen Knirpses.

Achim Stoll weiß nicht mehr so recht um seine Anfänge beim Nachbarverein in Hofweier, "aber wahrscheinlich durch meinen Vater und meinen Kumpel Michael Feißt, dessen Vater Gründungsmitglied war". Es gehörte schon eine gute Portion Selbstbewusstsein dazu, damals, in den 70-er Jahren, sich nicht dem Handballsport in dem handballverrückten Dorf zuzuwenden, mit Nationalspielern wie Arno Ehret oder Arnulf Meffle, sondern dem kleineren Zelluloidball. "Ich bin den Eindruck nie losgeworden", so Stoll, "dass wir von den kraftstrotzenden Handballern immer so ein bisschen belächelt wurden, schon allein wegen unserer filigranen Stoffsportschläppchen."

1976, erinnert sich Bruno Lehmann noch gut, "haben wir beide uns dann beim Bezirkstraining in Offenburg kennengelernt und sind seither gute Freunde". Und nicht nur das. Sie haben sich mehrere Gemeinsamkeiten  bis heute bewahrt: Da ist, aus sportlicher Sicht, natürlich der lange gemeinsame Tischtennisweg, der enger kaum hätte sein können und ihnen zahlreiche Trophäen sicherte. Stoll/Lehmann wurde in Südbaden zum Doppel-Markenzeichen - und darüber hinaus. Viel Profit schlugen die beiden aus der Links-Rechtshänder-Kombination und aus dem vielen gemeinsamen Training. "Viele Abläufe sind bei uns automatisiert, insbesondere beim Aufschlag-Rückschlag-Spiel", sagt Lehmann. Und Stoll ergänzt: Ihre Freundschaft habe sie auch kritische Situationen am Tisch stets gut überstehen lassen - etwa dann, "wenn der Partner mal eine taktische Ansage mit etwas mehr Nachdruck vorgegeben hat". Ohnehin habe das gemeinsame Bier nach einem verlorenen Spiel "immer gut geschmeckt".

Das Duo agierte von 1982 bis 1992 bei der DJK Offenburg und von 1995 bis 2004 bei den TTSF Hohberg, ehe Lehmann, weil es der Beruf erforderte, mit seiner Familie nach Neuenstein (Hohenlohe) zog. Doch sie fanden bei Turnieren immer wieder zueinander. 1989 wurden sie Süddeutscher Doppel-Meister. Knapp drei Jahrzehnte später, bei der Senioren-WM in Las Vegas, hätten sie sich fast die Weltmeisterkrone aufgesetzt: Im Halbfinale der Klasse  "49 bis 54 Jahre" wartete das ungarisch-deutsche Duo Varga/Fejer-Konnerth auf sie,  das Match ging in vier Sätzen verloren. Stoll/Lehmann wurden Dritte - ein Riesenerfolg für die beiden waschechten Ortenauer. Weltmeister wurden die Schweden Jörgen Persson und Eric Lindh, wahre Koryphäen und bereits in ihrer aktiven Zeit mehrfache Weltmeister.

Dass derlei Erfolge nicht einfach so vom Himmel fallen, sondern mitunter hart erarbeitet werden müssen, wissen beide nur zu gut. "Dran bleiben, weiter fleißig trainieren", rät Bruno Lehmann allen Kindern und Jugendlichen, wenn die sportliche Entwicklung mal etwas holperig verläuft. "Man muss", ergänzt sein langjähriger Sportskamerad, "so eine Durststrecke aushalten können." Mit  gutem Training kämen die Erfolge zurück. Er selbst, sagt Lehmann, habe zwischen dem 16. und 24. Lebensjahr "sicherlich drei- bis fünfmal die Woche trainiert". Bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr, fügt Stoll hinzu, sei das bei ihm häufig sogar zweimal am Tag der Fall gewesen. Nicht von ungefähr gehörte er mehrere Jahre in Deutschland zu den Top 30. Auch nicht von ungefähr, nach Lehmanns drittem Platz bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1981, dessen mehrmalige Nominierung für den Jugendnationalkader.

Mit qualifizierten, engagierten, einfühlsamen Trainern könne manches natürlich leichter gelingen, sagen beide. Und haben in der Rückschau viel Lob übrig für Rudolf Melegi, Heiner Hamm oder Horst Haferkamp, den heutigen Verbandsvizepräsidenten. Wären Talent und Förderer nicht gewesen, wer weiß, Stoll und Lehmann wären wohl auch ganz passable Kicker geworden.

Parallel die Wege der beiden auch in beruflicher und privater Hinsicht: Sie haben beide in Offenburg studiert, Lehmann wurde Diplom-Wirtschaftsingenieur und stieg als Produktmanager ins Berufsleben ein. Seit geraumer Zeit ist er als Vertriebsleiter eines Bereichs bei der Continental AG tätig. Stoll erwarb das Ingenieursdiplom als Elektrotechniker und unterrichtet seit 1994 als Lehrer an einer beruflichen Schule in Offenburg.

Achim Stoll hat mit Ehefrau Sandra die Töchter Pia, 22, und Franka, 20. Die eine tanzt gerne, die andere spielt Fußball. Bruno Lehmann ist mit Ehefrau Ursula verheiratet, früher Landesligaspielerin beim TTC Friesenheim. Auch sie hat längst beim TSV Neuenstein eine neue Heimat gefunden, ebenso die Töchter Larisa, 25, und Gloria, 18, die allesamt dort bei den Damen I spielen - eine echte Tischtennisfamilie.

Lehmann wie Stoll wissen um die große Bedeutung des Sports, dessen Kraft und menschenverbindendes Moment. Achim Stoll schwärmt noch immer von seinem Sabbatjahr 2019, das ihn auch in eine 3.500 Meter hoch gelegene Stadt in den Anden führte, wo er junge Peruaner trainierte: "Die Leute waren alle super herzlich, es war wie beim Schüleraustausch." Gute Gedanken gehen auch noch in die USA, wohin er nach dem Studium entfleuchte und in Anaheim an einem Turnier teilnahm. Die Stadt wurde einst von deutschen Siedlern gegründet. Kein Wunder, hatte Stoll bei seinen Matches stets eine große Fangemeinde. Letztlich scheiterte er am englischen Weltklassespieler Matthew Syed. Aber was für ein Erlebnis!

Stoll geht inzwischen - leidenschaftlich und erfolgreich wie eh und je - für die Reserve seines Heimatvereins an den Tisch: In den TTSF Hohberg sind einst die TTF Niederschopfheim und die frühere Tischtennis-Abteilung des TuS Hofweier aufgegangen. Ehe Corona kam, war Stoll  in der Verbandsliga Südwest gemeldet. Bruno Lehmann, ebenfalls Jahrgang 1965, tritt  seit vielen Jahren mit dem TSV Neuenstein in der Landesliga an.

Die Lust am Tischtennissport ist bei beiden ungebrochen. Ihren Vereinen dürften sie noch lange erhalten bleiben, die wissen das zu schätzen. Für alle eine Win-win-Situation.

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